Geschenkte Fenster
«Auch seine Einrichtung ging in manchem Stücke, nach des Landes guter, alter Sitte. Tür und Fenster liess man sich schenken. Die Fenstergaben waren ohnehin noch allenthalben im Bernerlande im Schwung.»

Die Geschichte des Hauses, so wie die Familie Maeder sie in ihrer Karte erzählt.
1753 · Die Novembernacht
«Peter Germann, einem alten Volksglauben nachlebend, liess in einer einzigen bestimmten Novembernacht alles Holz zu seinem künftigen Heim schlagen. Nur dann würde der Segen auf demselben ruhen und die Stürme darüber hinwegbrausen. Unter solchem Glauben entstand 1753 das Ruedihus.»
«Der Bund», 12. Januar 1908, abgedruckt in der Karte des Hauses
Der Giebel mit dem Baujahr«Auch seine Einrichtung ging in manchem Stücke, nach des Landes guter, alter Sitte. Tür und Fenster liess man sich schenken. Die Fenstergaben waren ohnehin noch allenthalben im Bernerlande im Schwung.»
«Auch die Giebelseite musste offenbaren, dass ein Mann hier sitze, der etwas sei und etwas wolle. Und so genügten denn auch die hölzernen Zierarten nicht. leuchtende Farben mussten hinein.»
«Es gilt als Spitzenleistung der Zimmermannskunst im 18. Jahrhundert. Ganz ausserordentlich ist auch die Ausstattung der Innenräume die zum grossen Teil noch vorhanden ist. Die Türen sind gekleistert oder bemalen, alle Türstürze haben ein barockes Profil, ferner stehen da bemalte Buffets und Truhen. Doch was den Innenräumen die unvergleichliche Atmosphäre verleiht, sind die Reihenfenster mit den Butzenscheiben.»
Die ersten zwei Stücke stammen aus dem Bericht der Tageszeitung «Der Bund» vom 12. Januar 1908, das dritte aus dem Frutigbuch. Alle drei stehen so in der Karte des Hauses.

«Es diente als Wohnung für den Landsvenner Peter Germann und als Maultier-Wechselstation für Reisende über die Gemmi, sowie später als Gaststätte.»
Über der TürUm 1850 · Der Name
«Der Name des Hauses muss wohl von jenem Rudolf Reichen stammen (ca. 1850) der den ganzen Besitz erwerben konnte und somit im Volksmund „ds rich Ruedi“ genannt wurde.»
Die Jahreszahl nennt das Haus mit «ca.».
«Im Jahre 1908 brach im hinteren Teil des Gebäudes Feuer aus.» Die Karte des Hauses druckt dazu den Bericht der Tageszeitung «Der Bund».
Ein seltenes Schauspiel in der hinteren Kandersteger Ebene. Kerzengerade steht eine Riesenrauchsäule im Tal.
Die Sonst so gemächlichen Älpler rennen das Tal hinein ein Schlitten fährt im Galopp vorbei. Es ist keine Frage, es handelt sich um eine Feuersbrunst. Richtig, da hört man schon das Ruedihus brennt.
In der Tat das Ruedihus, neben dem alten Teil des Hotels Viktoria und einem zweiten, 1556 erbauten Bauernhaus, das älteste, daneben aber bei weitem das originellste Haus des ganzen Kandertals, ist zum Teil ein Raub der Flammen geworden.
Das Ruedihus war eine bauliche Sehenswürdigkeit des Tales. Seine reich verzierte Fassade mit den Reihen von Rundschreibenfenstern viel jedem Beobachter sofort auf.
Die gekröpften Leisten, die Stäbe, das Gesimmse alles wurde bemalt, Darum war auch der Schreck unter der Bevölkerung gross, als es hiess, das Ruedihus steht in Flammen.
En Glück, dass der Schnee dem Dach einen Rückhalt gab. So haben wenigsten die Fassade Grösstenteils und die Fensterreihe, sowie die originellen Türen keinen Schaden genommen. Materiell ist das Haus aber so gut wie eine Ruine.
In der Scheune vom Ruedihaus, das seit Jahren an fremde Sommergäste vermietet wurde, ist neuerdings eine Schule für Italiener Kinder eingebaut worden. Das Haus selbst dient als Wohnung für den katholischen Geistlichen und für Beamte der Lötschbergunternehmung.
Alte Fotografien an der Holzwand«Dass der vordere Teil erhalten blieb schrieben die Einwohner des Dorfes der vermuteten Tatsache zu, dass beim Hausbau unter die Schwelle der Eingangstüre das Kraut Allermannsharnisch gelegt worden sei. Die Pflanze, welche unter dem Panzer getragen wurde, um sich vor tödlicher Verletzung zu schützen.»
«Der brandgeschädigte Teil wurde wiederaufgebaut und im November 1908 wurde eine Schule für Kinder, der am Bahnbau beteiligten Italiener eröffnet. Nach der Bauzeit wurde das Ruedihus auch als Pension betrieben.»
Weiss gedeckt, bei Kerzenlicht
Ofestübli
TürknaufSeit 1990 · Familie Maeder
«Am 21. Dezember 1990 konnten wir das Haus erwerben. Mit einer umsichtigen, sanften Renovation haben wir das Haus wiederum in einen Zustand gebracht, der es uns ermöglicht, einen zweckmässigen Landgasthof zu führen, unter Berücksichtigung seiner wertvollen, historischen Bedeutung. Im Februar 1991 haben wir den Betrieb wiedereröffnet.»
«Kontinuierlich haben wir das Haus restauriert, was mit der besonderen Auszeichnung, historisches Hotel Restaurant des Jahres 2000, gewürdigt wurde.»
ICOMOS schreibt dazu: «Ab 1990 wurden Renovationen nach denkmalpflegerischen Richtlinien ausgeführt. Zu den wichtigsten Interventionen gehören die behutsame Erneuerung der Gaststube, die umsichtige Restaurierung der alten Hotelzimmer und deren teilweise Neuausstattung mit altem Hausmobiliar.» (Eintrag des Hauses bei Schweiz Tourismus)
Landgasthof Ruedihus · Kandersteg · seit 1753
«Tausende von Gästen sind hier ein und ausgegangen.»

Landesregierung der Schweiz
«besonders gefreut hat uns, dass wir in den vergangenen Jahren den GESAMTBUNDESRAT dreimal bei uns begrüssen durften.»
Karte des Hauses
Generalsekretär der UNO, 1997 bis 2006
Im Jahr 2000 wanderte er mit Bundespräsident Adolf Ogi in Kandersteg.
Adolf Ogi, 2018
Prinz von Wales, heute König Charles III.
«Als der Wagen eintraf, waren der Bundespräsident und sein Besucher verschwunden!» Bundespräsident Adolf Ogi hatte ihn ins Dorf entführt, «er wollte ihm unsere schöne, alte Kirche präsentieren.»
René Maeder, Les Grandes Tables de Suisse
König Albert II. und Königin Paola
Im November 2000 war das Königspaar auf Staatsbesuch in der Schweiz.
swissinfo.chFotos über Wikimedia Commons: Schweizerische Bundeskanzlei (Bundesratsfoto 2000) · US Mission Geneva (Kofi Annan, 2012) · Arnaud Bouissou, COP21 (Prinz Charles, 2015) · © Europäische Union 2010, Europäisches Parlament (Königspaar). Die Fotos zeigen die Gäste, nicht ihren Besuch im Haus.


Und heute Abend? Ein Tisch in der Stube.